Donnerstag, 1. Juli 2010

Präsident


Wir sind Präsident!!!

Stolz breitet der Bundesadler über der Hauptstadt seine Flügel - die Demokratie hat am 30. Juni wieder ihr schönstes Gesicht gezeigt. Christian Wulff (CDU) wurde von der Bundesversammlung beim 3. Wahlgang, dann aber mit absoluter Mehrheit, zum Staatsoberhaupt gewählt.

Nun gut, WEN interessiert, dass das Volk Herrn Gauck als Staatsoberhaupt haben wollte? Niemanden interessiert's, denn seit wann hat das Volk im demokratischen Prozess irgend eine Meinung zu haben? Es soll alle 4 Jahre brav und treu zur Wahlurne schreiten und eine Partei wählen, von der es ohnehin weiß, dass diese Partei sich von den anderen kaum noch unterscheidet.

Kann denn ein Politiker, der von gut 600 Leuten gewählt wurde, tatsächlich ein von allen akzeptiertes Staatsoberhaupt werden und sein? Ist er sich bewusst, dass er sich von jeder Parteizugehörigkeit distanzieren muss? Ist er sich bewusst, dass er auch eine Distanz zu denen wahren muss, die ihn aufgestellt und die ihn gewählt haben? 
30 Tage hatte der neue Bundespräsident ja Zeit gehabt, sich auf sein bedeutungsvolles Amt vorzubereiten. Und im Vergleich zu vielen seiner 9 Vorgänger hat er den Vorteil, dass das Volk, das er nach innen und nach außen repräsentieren soll, ihn schon kannte - mehr oder wetniger.

Welch ein erhebendes Gefühl - Wir haben ein neues Staatsoberhaupt!!! Unsere Brust ist mindestens so geschwellt wie die des Bundesadlers - denn Demokratie ist doch was Feines!
Wir hätten Christian Wulff zwar nicht gewählt, aber wen interessiert's? Hauptsache, der CDU-Parteimann vertritt uns als Staatsoberhaupt würdig und tut auch schön brav, was die Parteien, die ihn gewählt haben, von ihm verlangen.
Dieses zutieft "demokratische" Privilig haben die Monarchien rings um uns herum nicht: Sie müssen sich mit jemandem abfinden, der sein ganzes Leben lang - von der Geburt an - darauf vorbereitet wurde, die ganze Nation zu repräsentieren. Sie müssen sich damit anfinden, dass IHR Staatsoberhaupt sie für viele Jahrzehnte repräsentiert. Und sie müssen sich damit abfinden, dass ihr Monarch sich nicht der einen oder anderen Partei zugehörig fühlt und zugehörig zeigt.
Nun gut, SIE können sich vielleicht mit IHREM Staatsoberhaupt viel eher identifizieren als mit jemandem, der nur auf 5 (oder 10) Jahre vereidigt wird, aber wer braucht das schon? Dass unser Land protokollarisch gesehen eine niedrigere Stufe einnimmt als ein Land mit einem Monarchen ... wer braucht das schon? Und dass WIR Steuerzahler für den ganzen Bundespräsidentenaparat mitsamt den aus dem Amt geschiedenen Bundespräsidenten mehr hinblättern müssen, als für eine ganze Herrscherfamilie ... wir haben's doch!

Hauptsache, wir haben einen Bundespräsidenten - ein Staatsoberhaupt - den wir zwar nie gewählt hätten, mit dem wir uns auch nie identifizieren werden können, der uns viel Geld kostet, der auch immer seinem Parteibuch treu bleibt. Was wollen wir denn mehr???

Es lebe die Republik!!!  


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da wurde alles gesagt was gesag werden kann!

Johannes hat gesagt…

Ja genau, hätte auch Gauck gewählt. Aber wir sind ja bekanntlich er Meinung, daß man uns bieeeeette diesen Zirkus ersparen sollte.